Helmholtz Open Access Newsletter vom 13.7.2007

Liebe Kolleginnen und Kollegen,


dies ist der vierzehnte Helmholtz Open Access Newsletter, herausgegeben vom Helmholtz Open Access Project. In diesem Newsletter geben wir Ihnen einen monatlichen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen zum Thema Open Access. Sie finden den aktuellen Newsletter und das Archiv jederzeit auf dem Portal "Helmholtz Open Access Projekt" (http://oa.helmholtz.de/index.php?id=98).

Wir freuen uns, wenn Sie diesen Newsletter an Interessierte weiterleiten.

Helmholtz/DINI Open Access Workshop und der 2.Korb

Am 6. Juni 2007 fand in Berlin als Teil des 3. Helmholtz Open Access Workshops, der zusammen mit der Deutschen Initiative für Netzwerkinformation (DINI) durchgeführt wurde, ein Workshop zu rechtlichen Rahmenbedingungen für Betreiber von Institutionellen Repositorien statt. Die Präsentationen dieser Veranstaltung sind hier online.

Während dieses Tages wurde auch immer wieder die zu dem Zeitpunkt hochaktuelle Diskussion um die Neufassung des Zweiten Gesetzes zur Regelung des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft, der sog. 2. Korb, aufgegriffen. Während MR Thomas Pflüger (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg) noch optimistisch war, dass es einen Zusatz (Open Access Klausel) zu § 38, so wie ihn der Bundesrat in einer Stellungnahme zum Gesetzentwurf vorgeschlagen hatte, geben würde, ist jetzt, nach der Verabschiedung der Gesetzesnovelle durch den Bundestag am 5.7.2007, klar, dass dieser Zusatz nicht im neuen Gesetz verankert wird.

Allerdings ist dies ein „erfolgreiches Scheitern“, da nicht zuletzt aufgrund der vielfachen Kritik an dem Gesetz sich alle Sprecher im Bundestag während der Debatte für einen weiteren Anlauf, einen sog. 3. Korb, ausgesprochen haben. In diesem Rahmen soll z.B. ein Zweitverwertungsrechts für Urheber von wissenschaftlichen Beiträgen, die überwiegend im Rahmen einer mit öffentlichen Mitteln finanzierten Tätigkeit entstanden sind, erneut diskutiert werden.

Siehe hierzu auch die Erklärung des Aktionsbündnises ,,Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft".

Deutsche UNESCO-Kommission unterstützt Open Access

Die deutsche UNESCO-Kommission (DUK) hat sich im vergangenen Jahr intensiv mit Open Access auseinander gesetzt. Im Zuge des eigenen Meinungsbildungsprozesses hat die Kommission ein Handbuch zum Thema Open Access herausgeben, das über Chancen und Herausforderungen dieses Modells informiert und das Thema aus einer Vielzahl von Perspektiven beleuchtet. Drei der Autoren kommen aus der Helmholtz-Gemeinschaft. Das Handbuch liegt als Print- und elektronische Version vor. 

Download des Handbuchs

Darüber hinaus hat die deutsche UNESCO-Kommission auf ihrer letzten Hauptversammlung Ende Juni nach kontroverser Diskussion mit großer Mehrheit eine Resolution zu Open Access verabschiedet. Darin wird nicht nur der freie, für die Nutzer im Regelfall kostenlosen Zugang zu, sondern auch die freie und kostenlose Nutzung von Wissen unterstützt. Dies ist ein wichtiges, aber oft vernachlässigtes Detail in der Diskussion um Open Access. Die DUK sieht im Open Access-Prinzip eine neue Chance, den Zugriff auf das Wissen, das im öffentlichen Raum in den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Kultur und Medien erstellt wurde, für jeden möglich zu machen.

Resolutionstext

Fortschrittliches Open Access-Geschäftsmodell bei Oxford University Press

Oxford University Press entwickelt die seit 2004 im Journal of Experimental Botany gemachten guten Erfahrungen mit Open Access weiter: seit dem ersten April 2007 wird ein Teil der Artikel der Zeitschrift frei zugänglich publiziert. Die Bedingung für die Open Access-Publikation ist, dass die Institution des korrespondieren Autors ein Abonnement hält. Als Besonderheit und im Gegensatz zu Open Access-Angeboten von anderen Verlagen muss für den jeweiligen Artikel vom Autor bzw. seiner Institution keine Extra-Gebühr (article processing charge) bezahlt werden. Damit beinhaltet die Subskriptionsgebühr für eine Zeitschrift erstmals nicht nur den Zugang zum Inhalt der Zeitschrift, sondern auch die Open Access-Publikation.

Autoren, deren Institution kein Abonnement der Zeitschrift hält, haben in Anlehnung an die Angebote anderer Verlage weiterhin die Möglichkeit, gegen eine Gebühr (2250 €) im Journal of Experimental Botany Open Access zu publizieren.

Neues von BASE (Bielefeld Academic Search Engine)

BASE treibt die Entwicklung von neuen Anwendungen für die Suchmaschine im sog. BASE-Lab voran. Dort stellen die Betreiber neue zukünftige Features der BASE-Suchmaschine vor und hoffen auf Ihr Feedback zur Verbesserung der Ideen. Vorgestellt wird z.B. eine multilinguale Suche, die den Suchbegriff in 21 Sprachen übersetzt und damit in allen BASE-Datenbanken sucht. Neu ist auch eine disziplinspezifische Suchfunktion (Browsing). Für das Browsing wird die übersetzte Fassung der Dewey-Dezimal-Klassifikation (DDC) benutzt; allerdings sind derzeit erst ca. 50.000 Dokumente im BASE-Index mit einer DDC-Klasse versehen (ca. 1% aller Dokumente aus dem BASE-Index)

Link zum BASE-Lab

Neuer Preprint-Server: Nature Precedings

Nature hat mit großem Werbeaufwand seinen seit Mitte Juni bestehenden Preprintserver vorgestellt (nach dem Vorbild arXiv, hauptsächlich für den Bereich Lebenswissenschaften, aber auch für Chemie und Erdwissenschaften). Hier können unpublizierte Manuskripte, Power-Point Präsentationen, Poster, Berichte, Supplements und anderes veröffentlicht werden.

Der Start des Preprint-Servers ist für Betreiber von Repositorien eine gute Gelegenheit, die institutseigenen Mitarbeiter auf die Möglichkeiten und den Service des eigenen Institutionellen Repositoriums hinzuweisen, denn die meisten davon archivieren nicht nur begutachtete Beiträge, sondern dokumentieren und veröffentlichen den gesamten Forschungsoutput des Instituts.

Open Access von Daten

Eine umfassende Studie zum Thema Open Access von Daten mit Schwerpunkt auf die Situation in Großbritannien ist im Juni erschienen.

Die Autorin formuliert 35 Empfehlungen in Kategorien von Strategie über Praxis, Technik und Rechtliches bis hin zu Training. Die überwiegende Anzahl der Empfehlungen betrifft die Notwendigkeit von Studien, Komitees, Policy-Dokumenten und "Frameworks" innerhalb dieser Kategorien. An vielen Stellen ist aber auch die Rede von notwendigen Entwicklungen (Werkzeuge, Protokolle, Metadaten-Schemata, Identifier, Ontologien,...).

Einige der weiter gehenden konkreteren Empfehlungen sind z.B. das Verlangen, zu jedem Projektantrag einen Datenmanagement-Plan zur Begutachtung mitzuliefern, aber auch, dass Datenzentren auch für die Bereitstellung von Werkzeugen zur Nachnutzung zu sorgen hätten. Ein weiterer interessanter Aspekt des Berichts ist sein Augenmerk auf die Situation der Datenarchivierung in den Fällen, wo es keine zentrale Datenbank gibt. Der Bericht zeigt Lösungsansätze auf, in denen der Einsatz von Institutionellen Repositorien zur Datenarchivierung eine wichtige Rolle spielt.

Darüber hinaus dokumentiert der Report eine sehr grosse Zahl von einschlägigen Projekten und Initiativen - gefördert von JISC und einzelnen disziplinären Förderorganisationen - wie wir sie in Deutschland bedauerlicherweise wohl nicht kennen.

Liz Lyon: Dealing with Data: Roles, Rights, Responsibilities and Relationships. Consultancy Report, JISC, June 19, 2007.

Download des Berichts

Leseempfehlungen

Adrian K. Ho and Joe Toth: Content Recruitment for Institutional Repositories (IR’s)

Eine mit Anmerkung versehene Bibliographie, die die relevanten Veröffentlichungen von Jan. 2005 bis Mai 2007 dokumentiert.

dlist.sir.arizona.edu/1955/01/CDER_IR_bibliography_(June_2007).doc

Impressum

Der Helmholtz Open Access Newsletter wird vom Helmholtz Open Access Projekt (http://oa.helmholtz.de) herausgegeben.

Redaktion: Andreas Hübner

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Falls Sie diesen Newsletter nicht mehr erhalten möchten, schreiben sie bitte an rab@gfz-potsdam.de.

Archiv

Die Ausgaben 1-13 des Newsletters finden Sie im Archiv (http://oa.helmholtz.de/index.php?id=111).

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Letzte Änderung: 14.03.2012

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