Archiv

Die Ausgaben 1-38 des Newsletters finden Sie im Archiv.

 

Helmholtz Open Access Newsletter vom 30.03.2012

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

dies ist der 39. Helmholtz Open Access Newsletter, herausgegeben vom Helmholtz Open Access Projekt. In diesem Newsletter geben wir Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen zum Thema Open Access.

Sie finden den aktuellen Newsletter und das Archiv auf der Website des Helmholtz Open Access Projekts.

Wir freuen uns, wenn Sie diesen Newsletter an Interessierte weiterleiten.

 

Rückblick: Informationstreffen der Helmholtz-Projekte zu Forschungsdaten

Am 6. Februar 2012 fand am GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt der interne Workshop „Informations- und Forschungsdaten-Management und deren Infrastrukturen in der Helmholtz-Gemeinschaft“ statt, zu dem der Arbeitskreis Open Access der Helmholtz-Gemeinschaft eingeladen hatte. Etwa 40 Expertinnen und Experten aus Datenprojekten der Helmholtz-Gemeinschaft diskutierten über Anforderungen an wissenschaftliche Informationsinfrastrukturen, Datenmanagement und den Zugang zu Forschungsdaten.

Unter anderem wurden in Kurzbeiträgen aus allen Forschungsbereichen der Helmholtz-Gemeinschaft Beispiele zum Datenmanagement und zum Zugang zu Forschungsdaten präsentiert. In der abschließenden Diskussion standen die Herausforderungen und Chancen des „data sharings“ im Fokus.

Durch dieses Treffen von Datenprojekten aus allen Teilen der Helmholtz-Gemeinschaft wurden Kontakte zwischen Experten unterschiedlicher Fachrichtungen geknüpft. Dabei wurde deutlich, dass beim Management von Forschungsdaten aus ganz verschiedenen Disziplinen häufig ähnliche Fragen und Probleme auftreten. Auf diese Fragen müssen einerseits in den Fachcommunities spezifische Antworten gefunden werden, andererseits sollte nach generischen Lösungen gesucht werden, wenn das fächerübergreifend sinnvoll ist. Die mit diesem Workshop angestoßenen Diskussionen sollen in mehreren Folgeveranstaltungen fortgesetzt werden.

 

Helmholtz-Gemeinschaft unterstützt COPE

Um die Finanzierung von wissenschaftlichen Publikationen in Open-Access-Zeitschriften unkompliziert zu ermöglichen unterstützt die Helmholtz-Gemeinschaft nun den Compact for Open-Access Publishing Equity (COPE). Die Forschungszentren in der Helmholtz-Gemeinschaft haben erklärt, dass sie den Compact for Open-Access Publishing Equity (COPE) unterstützen und Mechanismen etablieren werden, um angemessene Open-Access-Publikationsgebühren zu übernehmen. Anliegen der Helmholtz-Gemeinschaft ist es, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Publikation in Open-Access-Zeitschriften ebenso einfach wie die in konventionell finanzierten Zeitschriften zu machen.

Die internationale Initiative COPE wurde von der Harvard University, dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) und weiteren führenden amerikanischen Universitäten zur Förderung des Open-Access-Publizierens initiiert. Bereits im Oktober hat das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) als erste deutsche Forschungseinrichtung COPE unterzeichnet.

Weitere Information: Pressemitteilung

 

DLR nutzt CC-Lizenzen für eigene Medieninhalte

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) stellt seit Anfang des Jahres DLR-eigene Medieninhalte unter Nutzung aller sechs Creative-Commons-Lizenzen zur Verfügung. Auf Initiative von Wikimedia Deutschland hatte das DLR bereits 2009 mit den ersten Arbeiten zur Änderung der Nutzungsrechte von DLR-Bild- und Videomaterialien begonnen. Bis zu diesem Zeitpunkt galten die Nutzungsrechte nach dem klassischen Urheberrecht. Im Zuge eines Relaunchs des DLR-Webportals im Jahr 2011 und der Änderung des DLR-Impressums wurden die letzten Maßnahmen zur Einführung der CC-Lizenzen umgesetzt.

Damit schafft das DLR einen Mehrwert für die Öffentlichkeit, indem Bilder und Videos aus dem Bereich Luft- und Raumfahrt für jeden frei zur Verfügung stehen. Explizit ausgenommen von der Nachnutzung sind Medieninhalte, die in Kooperation mit anderen Einrichtungen erstellt werden, da das DLR hier nicht das alleinige Nutzungsrecht besitzt.

Weiterführende Informationen finden sich im DLR-Blog sowie im Wikimedia-Blog.

 

Textmining liefert neue Erkenntnisse zur Parkinson-Krankheit

In der Open-Access-Zeitschrift PLoS Genetics berichtete eine internationale Forschergruppe mit mehr als 50 Partnern über ein Gemeinschaftsprojekt, mit dem sämtliche verfügbaren genetischen Daten zur Entstehung der Parkinson-Krankheit zusammengeführt und in Metaanalysen ausgewertet werden. Aus der Helmholtz-Gemeinschaft sind Prof. Dr. Daniela Berg, Prof. Dr. Thomas Gasser und Dr. Manu Sharma vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Tübingen an dem Forschungsprojekt beteiligt.

Für die Studie wurden zunächst die Titel, Kurzfassungen oder Volltexte von mehr als 27.000 Fachpublikationen durchsucht und davon nach festgelegten Kriterien 823 Publikationen ausgewählt (Stand März 2011). Durch Metaanalysen der gesammelten Informationen konnte ein bisher unbekanntes Risikogen für die Parkinson-Krankheit identifiziert werden. Die Ergebnisse werden in der Online-Datenbank PDGene für andere Wissenschaftler frei verfügbar gemacht und kontinuierlich aktuell gehalten. Nach Angaben der Autoren könnte PDGene als Prototyp für weitere ähnliche Datenbanken zu Krankheiten mit komplexen genetischen Ursachen dienen.

Lill, C.M. et al. 2012: Comprehensive research synopsis and systematic meta-analyses in Parkinson’s disease genetics: the PDGene database. PLoS Genetics 8: e1002548. doi:10.1371/journal.pgen.1002548

 

Open-Access-Zeitschrift „Energy, Sustainability and Society“ ist gestartet

Dagmar Fiedler hat ihren Arbeitsplatz im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung ? UFZ. Sie war gleichsam der Motor bei der Entwicklung der Konzeption und leistet als Managing Editor ihren Beitrag zur Umsetzung der Open-Access-Zeitschrift Energy, Sustainability and Society. Das Journal, das seit Juni 2011 online ist, erscheint im Open-Access-Programm SpringerOpen des Wissenschaftsverlages Springer und wird durch die European Sustainable Energy Innovation Alliance (eseia) und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Helmholtz-Gemeinschaft unterstützt. Im Interview gibt Dagmar Fiedler einen Einblick in den Gründungsprozess und erläutert die Entscheidung zu Open Access.

Frau Fiedler, wie kam es zu der Gründung von „Energy, Sustainability and Society“?

2007 anlässlich einer Tagung wurde die Idee geboren, eine neue wissenschaftliche Zeitschrift auf dem zukunftsweisenden Gebiet einer nachhaltigen, sozialverträglichen Energieversorgung zu gründen. Diese Zeitschrift sollte sich inhaltlich deutlich von den bislang publizierten Fachzeitschriften unterscheiden und ganzheitliche systemische Fragestellungen zur Entwicklung eines neuen generationsverträglichen Energieparadigmas liefern. Durch diesen interdisziplinären, integrativen und problemorientierten Ansatz sollte eine derart ausgerichtete internationale Zeitschrift nicht nur eine Lücke schließen, sondern auch das Kompetenzprofil der Helmholtz-Gemeinschaft und der eseia zur ganzheitlichen Betrachtung komplexer Energiefragestellungen umfassend widerspiegeln. Zu dem internationalen Herausgeberteam gehören jetzt Mitglieder der beiden Organisationen als Partner in diesem Zeitschriftenprojekt, das sich einer nachhaltigen Energieversorgung an der Schnittstelle von Wissenschaft, Umwelt, Technologie und Gesellschaft widmen wird.

Warum haben sich die Herausgeber für eine Open-Access-Zeitschrift entschieden?

Die immensen Preissteigerungen bei den Zeitschriften der großen Wissenschaftsverlage hatten logischerweise Folgen: viele wissenschaftliche Bibliotheken mussten und müssen Ihre Abos aus Kostengründen abbestellen. Dabei ist ein Aspekt besonders bemerkenswert: nach einer Finanzierung der Forschung mit einem hohen Anteil an öffentlichen Mitteln sollen weitere solche Gelder für den Zugang zu den publizierten wissenschaftlichen Ergebnissen bereitgestellt werden. Deshalb gehörte die Helmholtz-Gemeinschaft ebenso wie andere deutsche und internationale Forschungsorganisationen im Jahr 2003 zu den Erstunterzeichnern der Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen. „Publikationen aus der Helmholtz-Gemeinschaft sollen künftig ohne Ausnahme kostenlos zugänglich sein, soweit nicht ausdrückliche Vereinbarungen mit Verlagen und anderen dem entgegenstehen“, lautet ein Beschluss der Mitgliederversammlung vom 27.09.2004. Open Access beinhaltet den freien Zugang zu qualifizierten wissenschaftlichen Publikationen, d. h. die Texte sind kostenfrei und öffentlich im Internet zugänglich. Sie können gelesen, heruntergeladen, kopiert, verteilt und gedruckt werden ohne finanzielle, gesetzliche oder technische Barrieren. Und last but not least, der Autor behält das Copyright an seinem Beitrag.

Nach dem Start der Open-Access-Zeitschriften, die beim Wissenschaftsverlag Springer unter SpringerOpen erscheinen, hat die Helmholtz-Gemeinschaft mit Springer einen Vertrag über eine Mitgliedschaft geschlossen. Demzufolge können die Autoren aus den Helmholtz-Zentren kostenfrei auf der SpringerOpen-Plattform publizieren, da die Zentren für sie die anfallenden Publikationsgebühren übernehmen.

Aus den genannten Gründen haben wir uns für eine Open-Access-Zeitschrift entschieden. Wir freuen uns sehr, dass unsere neue Zeitschrift „Energy, Sustainability and Society“ dank gemeinsamer Bemühungen nunmehr online ist und auf der SpringerOpen-Plattform erscheint. Sehr gern möchte ich an dieser Stelle insbesondere Herrn Dr. Paul Roos und Frau Monika Bechtold von Springer sowie dem Chefredakteur Herrn Professor Michael Narodoslawsky von der Technischen Universität Graz für ihr Engagement danken.

Welche Vorteile bietet Ihnen Open Access?

Einige Vorteile hatte ich bereits erwähnt. Die kostenlose, weltweite Verfügbarkeit der Beiträge im Internet erlaubt es, Forschungsergebnisse schnellstmöglich und bequem zu nutzen. Dies fördert selbstverständlich auch die Auswertung der Inhalte durch alle wichtigen bibliographischen Datenbanken. Dadurch kann für unsere Autoren neben einer höheren Sichtbarkeit und Zitierhäufigkeit ihrer Beiträge auch die internationale interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Kollegen gefördert werden. Auch produktionsseitig ergeben sich Vorteile. Beispielsweise entfallen die höheren Kosten für die farbigen Grafiken in den Beiträgen, wie sie bei den Printmedien üblich sind. Außerdem gibt es keine Seitenbeschränkungen mehr.

Für meine Tätigkeit als Managing Editor wird Open Access ebenfalls sehr hilfreich sein, einen schnellen, strengen, online-basierten Begutachtungsprozess zu organisieren, um für unsere Autoren den Zeitraum vom Einreichen der Beiträge bis zu ihrer Publikation so kurz wie möglich zu halten. Nun freuen wir uns auf die rege Mitarbeit und die interessanten wissenschaftlichen Ergebnisse unserer Autoren, damit „Energy, Sustainability and Society“ nach der erfolgversprechenden Startphase stetig wachsen und gedeihen kann.

Frau Fiedler, wir danken Ihnen für das Interview.

 

Open Access: erste rein elektronische Beschreibung einer Pflanzenart

Geradezu revolutionäre Veränderungen waren im Juli 2011 beim 18. Internationalen Botanikkongress in Melbourne beschlossen worden: künftig soll es nicht mehr notwendig sein, die Erstbeschreibungen neuer Pflanzenarten in gedruckter Form zu veröffentlichen, damit der Name der neuen Art gemäß den Nomenklaturregeln der Pflanzensystematiker gültig ist. Stattdessen werden von nun an auch Veröffentlichungen in rein elektronischen Zeitschriften akzeptiert, sofern die Fachartikel in geeigneten Repositorien dauerhaft hinterlegt werden.

Gleich zu Beginn des Jahres 2012 hat die Open-Access-Zeitschrift PhytoKeys die neuen Regeln in die Tat umgesetzt. In der ersten Januarwoche erschien täglich eine Beschreibung einer neuentdeckten Pflanzenart. Den Anfang machte am 1. Januar das Nachtschattengewächs Solanum umtuma aus Südafrika. Die elektronischen Artbeschreibungen werden in PubMed Central archiviert und durch Open Access an zahlreiche Fachdatenbanken weitergegeben.

Vorontsova, M. & S. Knapp 2012: A new species of Solanum (Solanaceae) from South Africa related to the cultivated eggplant. PhytoKeys 8: 1-11. doi:10.3897/phytokeys.8.2462

 

Literaturhinweise: Open Access

McDonald, D. & U. Kelly 2012: Value and benefits of text mining. JISC Report. http://bit.ly/jisc-textm

McEntyre, J. & A. Swan 2011: Health sciences. In: Studies on subject-specific requirements for open access infrastructure, S. 311-357. Herausg. von C. Meier zu Verl & W. Horstmann. Bielefeld: Universitätsbibliothek. doi:10.2390/PUB-2011-1

National open access and preservation policies in Europe. Analysis of a questionnaire to the European Research Area Committee. 2011. Luxembourg: European Commission - Directorate-General for Research and Innovation. http://ec.europa.eu/research/science-society/document_library/pdf_06/open-access-report-2011_en.pdf

Pinfield, S. & C. Middleton 2012: Open access central funds in UK universities. Learned Publishing 25: 107–116. http://tinyurl.com/6rqhcb7

 

Literaturhinweise: Forschungsdaten

Johnson, N.F. 2012: A collaborative, integrated and electronic future for taxonomy. Invertebrate Systematics 25: 471-475. doi:10.1071/IS11052

Langzeitarchivierung von Forschungsdaten. Eine Bestandsaufnahme. Herausg. von H. Neuroth, S. Strathmann, A. Oßwald, R. Scheffel, J. Klump & J. Ludwig, 2012. Boizenburg: Werner Hülsbusch. http://nestor.sub.uni-goettingen.de/bestandsaufnahme/

Molloy, J.C. 2011: The Open Knowledge Foundation: open data means better science. PLoS Biology 9: e1001195. doi:10.1371/journal.pbio.1001195

Sansone, S.-A. et al. 2012: Toward interoperable bioscience data. Nature Genetics 44: 121–126. doi:10.1038/ng.1054

 

Impressum

Der Helmholtz Open Access Newsletter wird vom Helmholtz Open Access Projekt herausgegeben.

Redaktion: Dr. Christoph Bruch, Kathrin Gitmans, Heinz Pampel und Dr. Paul Schultze-Motel

Kontakt: open-access@helmholtz.de

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Letzte Änderung: 30.03.2012

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