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Die Ausgaben 1-36 des Newsletters finden Sie im Archiv.

 

Helmholtz Open Access Newsletter vom 06.07.2011

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

dies ist der 37. Helmholtz Open Access Newsletter, herausgegeben vom Helmholtz Open Access Projekt. In diesem Newsletter geben wir Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen zum Thema Open Access.

Sie finden den aktuellen Newsletter und das Archiv auf der Website des Helmholtz Open Access Projekts.

Wir freuen uns, wenn Sie diesen Newsletter an Interessierte weiterleiten.

 

Informationsveranstaltung: Open Access in der Systembiologie

Gemeinsam mit der Bibliothek des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) veranstaltet das Helmholtz Open Access Projekt am 01.09.11 in Heidelberg ein Tutorial zum Thema „Open access publishing in systems biology – an introduction“ in Verbindung mit der 12th International Conference on Systems Biology (ICSB 2011).

Die Informationsveranstaltung richtet sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich für das Open-Access-Publizieren in der Systembiologie interessieren oder bereits erste Erfahrungen damit gesammelt haben. Zu den behandelten Themen gehören Beispiele für Open-Access-Publikationen, der „grüne“ Weg des Open Access (Zweitveröffentlichung in einem Online-Repositorium) im Vergleich zum „goldenen“ Weg (Veröffentlichung in einer Open-Access-Zeitschrift), Lizenzfragen und die Verbindung von Textpublikationen mit Forschungsdaten. Eine Anmeldung für die kostenlose Veranstaltung ist ab sofort möglich.

 

„Citizen Science“: großer Datensatz aus kleinen Schnecken

In einem in dieser Größe einzigartigen Mitmachprojekt baten Dr. Christian Anton vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und seine Kolleginnen und Kollegen in einem internationalen Forschungsteam Freiwillige aus 15 europäischen Ländern um ihre Mithilfe. Am Beispiel der Schwarzmündigen Bänderschnecke (Cepaea nemoralis) wollten die Wissenschaftler prüfen, ob der Temperaturanstieg durch den Klimawandel in den letzten Jahrzehnten sich auf die genetisch bedingte Färbung der Schneckenhäuser und damit auf die Evolution der Tiere ausgewirkt hat.

Über das vielsprachige Webportal Evolution MegaLab wurden Beobachtungsdaten zu Färbung und Bänderungsmuster der Schneckenhäuser gesammelt und offen zugänglich gemacht. Die freiwilligen Helfer wurden gleichzeitig gebeten, den Fundort ihrer Schnecken auf einer Karte zu markieren. Auf diese Weise konnten vor allem im Jahr 2009 von Tausenden Hobbybiologen Daten von mehr als 500.000 Schnecken zusammengetragen werden.

Dieser Datenschatz wurde von dem Forscherteam ausgewertet und mit älteren Literaturdaten zu der seit über 50 Jahren untersuchten Schneckenart verglichen. Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass durch die Evolution in nur wenigen Generationen der Anteil gebänderter Schneckenhäuser zugenommen hatte. Dieses Ergebnis passt allerdings nicht zur ursprünglichen Klimahypothese. Die Forscher vermuten vielmehr, dass die Veränderung mit dem Hauptfressfeind der Schnecken, der Singdrossel zu tun haben könnte - vielleicht eine Fragestellung für ein weiteres Mitmachprojekt.

Originalveröffentlichung:

Silvertown, J. et al. 2011: Citizen science reveals unexpected continental-scale evolutionary change in a model organism. PLoS ONE 6: e18927. doi:10.1371/journal.pone.0018927

 

Rückblick: Helmholtz Open Access Workshop zum Forschungsbereich Energie

Ende Mai 2011 hat am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) der zweitägige Workshop „Open Access to Publications and Data in the Research Field 'Energy' of the Helmholtz Association“ mit großem Erfolg stattgefunden, den das Helmholtz Open Access Projekt in Zusammenarbeit mit der KIT-Bibliothek veranstaltete. Rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten über den offenen Zugang zu wissenschaftlichen Informationen aus dem Forschungsbereich Energie.

Am ersten Veranstaltungstag mit dem Schwerpunkt Textpublikationen informierte Francesco Fusaro vom Generaldirektorat Forschung und Innovation der EU-Kommission über die Open-Access-Politik der EU bei der Forschungsförderung. In weiteren Vorträgen wurden unter anderem die Open-Access-Strategie des KIT vorgestellt und neue Entwicklungen beim Urheberrecht für wissenschaftliche Autoren diskutiert.

Dr. Franziska Regner von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eröffnete den zweiten Tag des Workshops mit einem Hauptvortrag zum offenen Zugang zu Forschungsdaten. Wissenschaftler der Helmholtz-Gemeinschaft präsentierten interessante Praxisbeispiele zum Umgang mit Forschungsdaten aus dem Energiebereich. In einer abschließenden Podiumsdiskussion ging es um Verantwortlichkeiten im Datenmanagement von Forschungsinstitutionen.

Alle Präsentationen stehen zum Download zur Verfügung. Dieser 9. Helmholtz Open Access Workshop war der zweite in einer Reihe zu den Helmholtz-Forschungsbereichen, die weiter fortgesetzt wird.

 

Rückblick: DINI-Session auf dem Bibliothekartag 2011

Im Rahmen des 100. Deutschen Bibliothekartages veranstaltete die AG Elektronisches Publizieren in der Deutschen Initiative für Netzwerkinformation (DINI) eine Session zu aktuellen Entwicklungen rund um das Open-Access-Publizieren.

Frank Scholze vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) gab in seinem Einführungsvortrag eine Standortbestimmung zum Thema Open Access. Dabei wies er, ausgehend von der Vielzahl der aktuellen Aktivitäten, auf die kommenden Herausforderungen der nachhaltigen Transformation zu Open Access hin. In weiteren Vorträgen ging es u. a. um die Bedeutung von Open Access für die Universitätsverlage, eine Einführung in Open Journal Systems (OJS) als Open-Source-Lösung zum Betrieb von Open-Access-Zeitschriften und um die Ergebnisse der Study of Open Access Publishing (SOAP) in Deutschland. Einen Exkurs in die Repositorien-Landschaft bot abschließend Petra Hätscher (UB Konstanz). Sie stellte die Aktivitäten der Confederation of Open Access Repositories (COAR) vor, in der auch die Helmholtz-Gemeinschaft Mitglied ist.

Alle Folien der Veranstaltung sind online.

 

Open-Access-Zeitschriften: aktuelle Entwicklungen

Die Szenerie der Open-Access-Zeitschriften entwickelt sich rasant. Die durchschnittliche Wachstumsrate pro Jahr beträgt seit 2000 18 % im Bereich der Zeitschriften. Zu diesem Ergebnis kommen Laakso et al. (2011) in einem lesenswerten Aufsatz in PLoS ONE, dem Flaggschiff der Public Library of Science (PLoS). Diese 2006 gestartete Zeitschrift wurde im Juli von der Scholarly Publishing and Academic Resources Coalition (SPARC) als „Innovator“ ausgezeichnet. Das Modell des „Open-Access-Megajournals“ PLoS ONE findet immer mehr Nachahmer: seit Juni ist die Zeitschrift Scientific Reports der Nature Publishing Group online. Darüber hinaus haben in den vergangen Monaten mehrere Verlage Open-Access-Zeitschriften mit ähnlichen Konzepten wie PLoS ONE angekündigt oder gestartet, z. B. AIP Advances, BMJ Open oder SAGE Open.

Open Access gewinnt für Verlage an Bedeutung: Springer gab im Juni den Start des fünfzigsten SpringerOpen-Journals bekannt. Und auch Wiley zieht nun nach: unter der Marke Wiley Open Access gab der Verlag im Februar den Start eines Open-Access-Programms bekannt. Weiter haben das Hughes Medical Institute (HHMI), die Max-Planck-Gesellschaft und der Wellcome Trust im Juli die Gründung einer Open-Access-Zeitschrift im Bereich der Lebenswissenschaften angekündigt. Die Zeitschrift soll in der Startphase durch die drei Organisationen getragen werden.

Vermehrt wird Kritik an dem Umgang mit Creative-Commons-Lizenzen laut. Bedauerlicherweise setzen nicht alle der neuen Open-Access-Zeitschriften auf den Open-Access-Standard CC-BY („Namensnennung“) und behindern mit stärker eingeschränkten Lizenzen z. B. die Nutzung von Text-Mining-Verfahren durch kommerzielle Akteure wie Pharmaunternehmen. Diese fragwürdige Entwicklung greift auch Peter Suber in der Juli-Ausgabe des SPARC Open Access Newsletter auf.

 

Open Access auf der Landkarte

Im Rahmen des CERN Workshop on Innovations in Scholarly Communication (OAI7) gab Alma Swan den Start von Open Access Map bekannt. Der Dienst erlaubt die Darstellung und Visualisierung von Open-Access-Aktivitäten auf Google Maps. Wissenschaftliche Institutionen, Verlagen und andere Akteure können auf der Website ihre Publikationen, Repositorien und Leitlinien darstellen und georeferenzieren. Entwickelt wurde die Open Access Map von OASIS mit finanzieller Unterstützung der Open Society Foundations (OSF).

Damit sich die Karte schnell füllt und das Wachstum von Open Access veranschaulicht, werden alle Open-Access-Fachleute gebeten ihre Aktivitäten auf der Karte einzutragen.

 

Publikationsort gesucht? Fragen Sie JANE

JANE („Journal/Author Name Estimator“) ist ein nützliches bibliografisches Webtool für Biowissenschaftler, das von Bioinformatikern der Erasmus Universität Rotterdam und der Universität Leiden entwickelt wurde. Autorinnen und Autoren können Überschrift oder Abstract eines biowissenschaftlichen Manuskripts eingeben und bekommen eine Liste von Zeitschriften mit Veröffentlichungen zu ähnlichen Themen vorgeschlagen - praktischerweise mit einer besonderen Kennzeichung von Open-Access-Zeitschriften bzw. solchen Zeitschriften, deren Artikel regelmäßig in das biomedizinische Repositorium PubMed Central aufgenommen werden. Die semantische Suche basiert auf einem Text-Mining von Abstracts in der bibliografischen Datenbank MEDLINE.

 

Literaturhinweise: Open Access

Dallmeier-Tiessen, S. & A. Lengenfelder 2011: Open Access in der deutschen Wissenschaft – Ergebnisse des EU-Projekts „Study of Open Access Publishing“ (SOAP). GMS Medizin - Bibliothek - Information 11: Doc03. doi:10.3205/mbi000218

Heading for the open road: costs and benefits of transitions in scholarly communications. Research Information Network, 2011. http://www.rin.ac.uk/our-work/communicating-and-disseminating-research/heading-open-road-costs-and-benefits-transitions-s

Laakso, M. et al. 2011: The development of open access journal publishing from 1993 to 2009. PLoS ONE 6: e20961. http://www.plosone.org/article/info:doi/10.1371/journal.pone.0020961

Pampel, H. 2011: Open Access – Von der Zugänglichkeit zur Nachnutzung. In: Digitale Wissenschaft. Stand und Entwicklung digital vernetzter Forschung in Deutschland, S. 181-186. Herausg. von Silke Schomburg et al. Köln: Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen. http://www.hbz-nrw.de/dokumentencenter/veroeffentlichungen/Tagung_Digitale_Wissenschaft.pdf#page=183

 

Literaturhinweise: Forschungsdaten

Freedom of information in the UK and its implications for research in the higher education sector. Research Information Network (RIN), 2011. http://www.rin.ac.uk/system/files/attachments/synthesis_of_discussions_from_the_three_regional_events_-_final_version.pdf

Penev, L. et al. 2011: Pensoft data publishing policies and guidelines for biodiversity data. http://www.pensoft.net/J_FILES/Pensoft_Data_Publishing_Policies_and_Guidelines.pdf

Piwowar, H.A., T.J. Vision & M.C. Whitlock 2011: Data archiving is a good investment. Nature 473: 285. doi:10.1038/473285a

Tenopir, C. et al. 2011: Data sharing by scientists: practices and perceptions. PLoS ONE 6: e21101. doi:10.1371/journal.pone.0021101

Vickers, A.J. 2011: Making raw data more widely available. BMJ 342: d2323. doi:10.1136/bmj.d2323


Impressum

Der Helmholtz Open Access Newsletter wird vom Helmholtz Open Access Projekt herausgegeben.

Redaktion: Heinz Pampel, Dr. Angela Schäfer und Dr. Paul Schultze-Motel.

Kontakt: open-access@helmholtz.de

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Letzte Änderung: 14.03.2012

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