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Die Ausgaben 1-56 des Newsletters finden Sie im Archiv.

Helmholtz Open Science Newsletter vom 15.06.2016

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

dies ist der 57. Helmholtz Open Science Newsletter, herausgegeben vom Helmholtz Open Science Koordinationsbüro. In diesem Newsletter geben wir Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen zum Thema Open Science.

Sie finden den aktuellen Newsletter und das Archiv auf der Website des Helmholtz Open Science Koordinationsbüros.

Wir freuen uns, wenn Sie diesen Newsletter an Interessierte weiterleiten.

Helmholtz Open Science auf Twitter und Zotero

Ein Hinweis in eigener Sache: das Helmholtz Open Science Koordinationsbüro ist seit Kurzem auch auf dem Mikroblogging-Dienst Twitter aktiv. Unter dem Kürzel @helmholtz_os finden Sie aktuelle Kurznachrichten zum Thema Open Science.

Ausgewählte Literaturhinweise zu Open Science stellen wir in unserer offenen Zotero-Gruppe „Helmholtz Open Science“ zur Verfügung, die Sie auch als RSS-Feed abonnieren können.

Helmholtz-Gemeinschaft verabschiedet Open-Access-Richtlinie

Ende Mai hat die Helmholtz-Gemeinschaft ihre neue Open-Access-Richtlinie veröffentlicht. „Mit dem Beschluss dieser neuen Richtlinie fördert die Helmholtz-Gemeinschaft den offenen Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen nachhaltig“, sagt Otmar D. Wiestler, der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft. „Wir verbessern damit den umfassenden Transfer unserer Ergebnisse in die Gesellschaft, die Wissenschaft und die Wirtschaft weiter.“

Die Open-Access-Richtlinie ist eng an die Open-Access-Regeln im EU-Forschungsrahmenprogramm Horizon 2020 angelehnt, mit denen viele Helmholtz-Forschende bereits vertraut sind. Publikationen aus dem STM-Bereich müssen nach sechs Monaten, Publikationen aus den Geistes- und Sozialwissenschaften nach zwölf Monaten frei zugänglich gemacht werden. Auch die Forschungsdaten, die einer Publikation zugrunde liegen, sollen nach Möglichkeit zugänglich gemacht werden. Eigenpublikationen eines Zentrums sind unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung“ (CC BY) zu veröffentlichen.

Um die Abstimmung rund um die Übernahme von Open-Access-Publikationsgebühren in der Helmholtz-Gemeinschaft weiter zu fördern, hat der Arbeitskreis Open Science seine „Kriterien zum Umgang mit Open-Access-Publikationsgebühren“ geschärft.

GFZ gibt sich Grundsätze zum Umgang mit Forschungsdaten

Das Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ hat sich Ende März 2016 „Grundsätze zum Umgang mit Forschungsdaten“ gegeben. Der Beschluss bietet Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern am GFZ einen Orientierungsrahmen für die Zugänglichkeit und Nachnutzung von Forschungsdaten. Hierzu stellen die Grundsätze fest: „Das GFZ unterstützt die langfristige Sicherung und den grundsätzlich offenen Zugang zu Forschungsdaten aus öffentlich geförderter Forschung.“ Empfohlen werden die Veröffentlichung der Forschungsdaten als zitierfähige Datenpublikation und die Nutzung offener Lizenzen.

Zusätzlich hat das GFZ als erste wissenschaftliche Einrichtung in Deutschland das „Statement of Commitment from Earth and Space Science Publishers and Data Facilities“ der Coalition on Publishing Data in the Earth and Space Sciences (COPDESS) unterzeichnet, in dem die Geowissenschaftsgemeinschaft den offenen Zugang zu wissenschaftlichen Daten fordert (s. Newsletter 54).

Weltweite Initiative zur Open-Access-Transformation

Die Initiative „OA2020“ führender Wissenschaftsorganisationen aus aller Welt will nun eine großflächige Umstellung der wissenschaftlichen Zeitschriften vom Subskriptionssystem hin zu Open Access vorantreiben. Auch die Helmholtz-Gemeinschaft unterstützt das Vorhaben als Erstunterzeichnerin der „Expression of Interest in the Large-scale Implementation of Open Access to Scholarly Journals“.

Das Ziel der Initiative ist es, alle wissenschaftlichen Zeitschriften in den kommenden Jahren auf Open Access umzustellen. Der angestrebte Transformationsprozess soll in einem transparenten Verfahren unter Beteiligung der relevanten Akteure vorangebracht werden. Dabei verfolgen die wissenschaftlichen Einrichtungen auch das wichtige Ziel der Kostensenkung.

Ende Mai wird das Vorhaben von über 50 Fachgesellschaften, Verbänden und Institutionen unterstützt, u. a. von der World Meteorological Organization (WMO), der European Geosciences Union (EGU), der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und der European University Association (EUA).

Allianz: Appell zur Offenlegung von Publikationsgebühren

Die Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen empfiehlt wissenschaftlichen Einrichtungen, Informationen zu gezahlten Open-Access-Publikationsgebühren offenzulegen, damit die Kostenstrukturen des Open-Access-Publikationsmarkts klar erkennbar werden. Dieses Anliegen wurde jetzt in einem „Appell zur Offenlegung von Publikationsgebühren“ (englische Version) im Rahmen der Schwerpunktinitiative „Digitale Information“ formuliert.

Mit der „Open APC Initiative“ steht bereits eine Plattform bereit, über die Publikationskosten aggregiert und öffentlich dokumentiert sowie Kostenstrukturen analysiert werden können. Die entsprechenden Daten werden dort in maschinenlesbarer Form eingestellt und unter offenen Lizenzen verfügbar gemacht (Open Data), sodass die Kosten über einzelne Einrichtungen hinweg verglichen und untersucht werden können. Mehrere Helmholtz-Zentren machen ihre Zahlen bereits über diese Plattform sichtbar (s. Newsletter 52).

JLSRF: DOIs für Großgeräte

Als erste Open-Access-Zeitschrift des Forschungszentrums Jülich wurde das Journal of Large-Scale Research Facilities (JLSRF) ins Leben gerufen, das seit Mitte 2015 Zeitschriftenartikel mit Beschreibungen über Forschungsgroßgeräte veröffentlicht. Heute zählt das JLSRF 75 publizierte Artikel. Zehn Helmholtz-Zentren reichten bisher 115 Artikel mit Großgerätebeschreibungen ein, Spitzenreiter mit den meisten Einreichungen sind das Helmholtz-Zentrum Berlin und das Heinz Maier-Leibnitz Zentrum in Garching.

Bei einigen Artikeln kann die angestrebte Verbesserung der Sichtbarkeit von Großgeräten in wissenschaftlichen Publikationen bereits verfolgt werden. Die Beschreibung des Diffraktometers MIRA wird z. B. in einem Artikel der Zeitschrift Applied Physics Letters zitiert.

Nadja Kalinna

Datenartikel in der Zeitschrift ESSD werden häufig zitiert

Thomson Reuters, die Herausgeber des „Journal Citation Report“, haben ein Jahr nach Aufnahme des Daten-Journals „Earth System Science Data“ in ihren Service einen ersten sogenannten Impact-Faktor (IF) von 8,3 für die Zeitschrift berechnet. Dies ist im wesentlichen die Anzahl der Zitierungen pro Artikel aus den letzten zwei Jahren. So ungeeignet der IF ist, um die Qualität von Zeitschriften aus verschiedenen Wissenschaftsgebieten zu vergleichen oder gar diese Zahl für ein Journal auf einzelne Artikel oder deren Autoren zu beziehen, so zeigt er in diesem Falle eine sehr bedeutsame Entwicklung auf: Daten-Artikel - und damit die beschriebenen Daten selbst - werden tatsächlich und offenbar häufig zitiert.

SCOAP³ – Finanzierung bis Ende 2019 gesichert

Bereits mehr als 10.000 Aufsätze aus der Teilchenphysik wurden dank der internationalen SCOAP³-Initiative seit 2014 im Open Access veröffentlicht. Jetzt wurde die Finanzierung für weitere drei Jahre gesichert. Getragen wird SCOAP³ durch ein internationales Konsortium, an dem wissenschaftliche Einrichtungen aus 44 Ländern beteiligt sind. Auch die Max-Planck-Gesellschaft und die Helmholtz-Gemeinschaft beteiligen sich an der Finanzierung. Der Beitrag der deutschen Hochschulen wird aktuell noch über eine Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) aufgebracht. Ein Workshop an der TIB Hannover diente jetzt der Entwicklung eines Nachhaltigkeitskonzepts.

Open Access: Dynamik und verschiedene Geschwindigkeiten

Bereits im Januar des laufenden Jahres kündigte sich im Programm der niederländischen EU-Präsidentschaft an, dass im Jahr 2016 der Umstieg auf Open-Access-Publizieren bzw. Open-Science-Policies international deutlich an Unterstützung durch politische Akteure gewinnen würde. Im April 2016 konkretisierte die niederländische Regierung mit dem Amsterdam Call for Action on Open Science das Ziel und den Zeitrahmen für die vollständige Umstellung des wissenschaftlichen Publizierens in Zeitschriften auf Open Access. Im Jahr 2020 soll die Umstellung vollständig gelungen sein.

Wichtige Repräsentanten der Wissenschaftsgemeinschaft positionierten sich vergleichbar mit der Veröffentlichung der Liste der Erstunterzeichner der Expression of Interest für die Initiative OA2020 (s. dieser Newsletter). Mit dieser Erklärung manifestieren die Unterzeichner ihren Willen, Budgets, die bislang für die Finanzierung von Subskriptionen wissenschaftlicher Zeitschriften eingesetzt werden, schrittweise für das Finanzieren von Open-Access-Publizieren umzuwidmen.

Im Mai wurden die beiden Initiativen beim Treffen der G7-Minister für Wissenschaft und Technologie mit ihrem Tsukuba-Communiqué zwar im Grundsatz affirmativ aufgegriffen, dabei jedoch auch in zweierlei Hinsicht deutlich abgeschwächt. Die Minister verzichteten auf die Nennung von Zeiträumen für die Durchsetzung des Offenheitsprinzips und sie verbanden ihre Unterstützung für Open Science mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit zur Berücksichtigung konkurrierender Zielvorstellungen, wie Eigentumsrechte, Wettbewerbsfähigkeit, ethische und andere legitime Gründe. So wurde deutlich gemacht, dass die Euphorie der EU-Staaten für Open Science nicht überall geteilt wird.

Bereits kurz vor dem Treffen der G7-Minister für Wissenschaft und Technologie hatte die UNESCO gemeinsam mit der Confederation of Open Access Repositories (COAR), beide starke Befürworter des Open-Science-Gedankens, eine gemeinsame Stellungnahme zum Thema Open Access veröffentlicht, die die Befürchtungen vieler Open-Access-Unterstützer gegenüber der niederländisch-britisch geprägten Open-Access-Policy der Europäischen Union zusammenfasst. Diese Policy sei nur für wohlhabende Volkswirtschaften gangbar und schenke dem Ziel einer Bremsung der starken Preissteigerungen der letzten Jahre bei wissenschaftlichen Fachzeitschriften zu wenig Aufmerksamkeit.

Diese zurückhaltenden Positionen hielten die Regierungen der Mitgliedstaaten der Europäischen Union jedoch nicht davon ab, den von der niederländischen Ratspräsidentschaft mit dem Amsterdam Call vorgegebenen Kurs mit ihren Beschlüssen aus dem Treffen des Wettbewerbsrates Ende Mai in Brüssel zu bekräftigen.

Die Entwicklungen der letzten sechs Monate erlauben zwei klare Schlüsse. Die Entschlossenheit der Wissenschaft und der sie fördernden Staaten zur Umstellung auf Open-Access-Publizieren und auch zur Unterstützung der breiteren Entwicklung hin zu Open Science hat deutlich zugenommen. Gleichzeitig ist festzustellen, dass die Einigkeit hinsichtlich der Zielvorstellung, d. h. Open Science, durch Uneinigkeit hinsichtlich der Geschwindigkeit, des Weges und der Radikalität der Umstellung relativiert wird. Die von der Europäischen Kommission ins Leben gerufene Open Science Policy Platform und die OA2020-Initiative sollten dazu genutzt werden, einer möglichen Spaltung der Open-Access-Bewegung entgegenzuwirken.

Dokumentation des RDA-DE-Trainings-Workshop 2016

Eine Dokumentation des RDA-DE-Trainings-Workshop 2016 (s. Newsletter 56) ist im Wiki forschungsdaten.org zu finden. Die Veranstaltung fand vom 24. bis 25. Mai 2016 am Deutschen Klimarechenzentrum (DKRZ) statt und wurde von der Research Data Alliance Deutschland (RDA-DE) in Kooperation mit der Deutschen Initiative für Netzwerkinformation (DINI) und dem Helmholtz Open Science Koordinationsbüro veranstaltet.

Literaturhinweise

Becker, P.-N. et al. 2016: DeepGreen – Metadata Schema for the exchange of publications between publishers and open access repositories. Version 1.1. ZIB Report 16-32. doi:10.12752/3.dg.1.0

Chartron, G. 2016: Stratégie, politique et reformulation de l’open access. Revue française des sciences de l’information et de la communication 8. http://rfsic.revues.org/1836

Ilva, J., M. Laitinen & J. Saarti 2016: The costs of open and closed access: using the Finnish research output as an example. LIBER Quarterly 26 (1). doi:10.18352/lq.10137

Larivière, V., S. Haustein & P. Mongeon 2016: Big publishers, bigger profits: how the scholarly community lost the control of its journals. MediaTropes 5: 102–110. http://www.mediatropes.com/index.php/Mediatropes/article/view/26422

Lawson, S., J. Gray & M. Mauri 2016: Opening the black box of scholarly communication funding: a public data infrastructure for financial flows in academic publishing. Open Library of Humanities 2: e10. doi:10.16995/olh.72

Pampel, H. 2016: Zugang ermöglichen. Internationale Initiative zur Open-Access-Transformation. Politik & Kultur - Zeitung des Deutschen Kulturrates (3): 32. http://gfzpublic.gfz-potsdam.de/pubman/item/escidoc:1504238

Pinfield, S. & C. Middleton 2016: Researchers adoption of an institutional central fund for open-access article-processing charges: a case study using innovation diffusion theory. SAGE Open 6 (1). doi:10.1177/2158244015625447

Tennant, J.P. et al. 2016: The academic, economic and societal impacts of Open Access: an evidence-based review. F1000Research 5: 632. doi:10.12688/f1000research.8460.2

Wilkinson, M.D. et al. 2016: The FAIR Guiding Principles for scientific data management and stewardship. Scientific Data 3: 160018. doi:10.1038/sdata.2016.18

Impressum

Der Helmholtz Open Science Newsletter wird vom Helmholtz Open Science Koordinationsbüro herausgegeben.

Redaktion: Dr. Christoph Bruch, Heinz Pampel, Dr. Paul Schultze-Motel und Paul Vierkant

Kontakt: open-science@helmholtz.de

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