Helmholtz Open Access Newsletter vom 5.4. 2007

Liebe Kolleginnen und Kollegen,


dies ist der zwölfte Helmholtz Open Access Newsletter, herausgegeben vom Helmholtz Open Access Project. In diesem Newsletter geben wir Ihnen einen monatlichen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen zum Thema Open Access. Sie finden den aktuellen Newsletter und das Archiv jederzeit auf dem Portal "Helmholtz Open Access Projekt" (http://oa.helmholtz.de/index.php?id=98).

Wir freuen uns, wenn Sie diesen Newsletter an Interessierte weiterleiten.

Open Access in der EU

Am 15./16.2.2007 fand in Brüssel die Konferenz "Scientific Publishing in the European Research Area - Access, Dissemination and Preservation in the Digital Age" [1] statt.


Sie war als "effort to provide policy options for scientific publishing under FP7 and in the European Research Area." angekündigt, und mehrfach als die Nachbereitung der - auch in diesem Newsletter besprochenen - “Study on the economic and technical evolution of the scientific publication markets in Europe” und der öffentlichen Konsultation dazu aufgefasst worden. Tatsächlich waren natürlich schon vor der Konferenz Tatsachen geschaffen worden – so lag bereits ein Draft der „COMMUNICATION FROM THE COMMISSION TO THE EUROPEAN PARLIAMENT, THE COUNCIL AND THE EUROPEAN ECONOMIC AND SOCIAL COMMITTEE”[2] zu Beginn der Konferenz aus.

Dennoch waren die (teilsweise auf der Website [1] verfügbaren) Vorträge ein interessanter „Schnappschuss“ der fachlichen Debatte und der politischen Stimmung dazu. Nach einiger Abwägung teile ich (HP) nicht die teilweise sehr skeptischen Einschätzungen anderer Beobachter, etwa von Poynder [3].

Tatsächlich konnte man drei Strömungen wahrnehmen:

(1) Gute fachliche und technische Gründe (zum x-ten Male referiert) und gesellschaftliche bzw. politische Statements pro Open Access. Hervorzuheben ist der Einleitungsvortrag des Forschungskommissars Potočnik, insbesondere seine Sätze „Over the next 7 years, the EU will invest over 54 billion euros in research and development. I want every euro of this funding to contribute in some way to developing a true European Research Area and creating a strong European knowledge society.”

(2) Das Lager der Verleger bot ein recht differenziertes Bild, z.B. durch die Statements von M.Blume, des Editors in Chief der American Physical Society einerseits und denen des Vertreters von Elsevier andererseits. Von der Contra-Seite gab es neben einer Reihe von Desinformationen (z.B. die Gleichsetzung von OA mit fehlender Peer Review) zwei wesentliche Argumente, die dann auch in die Abschlussrede der Medienkommissarin Reding durchschlugen: A) „One size does not fit all“ – eine Binsenweisheit mit deren Hilfe man natürlich ein komplettes Durcheinander von Regelungen rechtfertigen und somit klare Mandate verhindern kann und B), dass man keine Policy festlegen solle, die zu nicht rücknehmbaren Änderungen – d.h.: Zusammenbruch des wissenschaftlichen Publikationswesens – führt. Diese Argumentationsweise ist jedoch im Grunde eine defensive. Kann es sein, dass Elsevier u.ä. tatsächlich nur noch ihre Pfründe um ein paar Jahre zu verlängern trachten? Was wäre dann tatsächlich ihr langfristiges Ziel?

(3) Quasi orthogonal zu der Diskussion pro/contra OA war auch ein Strang zur Frage der wissenschaftlichen Daten zu erkennen. Bereits in der Mitteilung [2] wird auf der ersten Seite definiert „Für die Zwecke dieser Mitteilung deckt der Begriff "wissenschaftliche Informationen" Veröffentlichungen und Forschungsdaten ab“. Im Workshop „E-Infrastructure and long-term preservation“ prallten zu der Frage, was denn langfristig erhaltenswert sei, die Meinungen aufeinander. Die Dichte der Diskussion wird durch die der zusammenfassenden Folien der Berichterstatterin, L.Lyon, widergespiegelt.

Als ein positives Ergebnis des gesamten Prozesses, von der Studie über die öffentliche Konsultation bis zur Konferenz (und „Kommunikation“) fasse ich das in der „Kommunikation“, Abschnitt 5.3 A, angedeutete möglich Open Access Mandat für ERC-Mittel auf, die immerhin mehr als 10 Milliarden EUR umfassen: „Die Kommission plant, im Rahmen bestimmter Programme (z.B. solcher, die durch den Europäischen Forschungsrat verwaltet werden) spezifische Leitlinien zur Veröffentlichung von Artikeln in offenen Repositories nach einer Sperrfrist herauszugeben.“

Andererseits bleibt es wichtig, die Hinweise von N. Miradon (eines Kommissions-Insiders?) in [3] zu beachten. Er plädiert dafür, sofort mit Folgeaktivitäten zur „Kommunikation“ zu beginnen, und zwar gegenüber dem dadurch angesprochen EU-Parlament und dem Rat der EU - speziell den Mitgliedern (u.a. Deutschland), die den Prozesse in Gang gesetzt haben.


[1] http://ec.europa.eu/research/science-society/page_en.cfm?id=3459

[2] http://ec.europa.eu/research/science-society/document_library/pdf_06/communication-022007_de.pdf

[3] http://poynder.blogspot.com/2007/03/open-access-war-in-europe.html

 

Helmholtz-Wissenschaftler als Open Access Editoren

Im 9. Newsletter (November 2006) berichteten wir Ihnen von unserer umfangreichen Recherche in der Datenbank des Directory of Open Access Journals, um Wissenschaftler aus Helmholtz-Zentren zu identifizieren, die sich als Herausgeber oder im Reviewer-Board von Open Access Zeitschriften engagieren.


Bereits 12 Editoren bzw. Reviewer gaben uns kurze Interviews, in denen Sie aus Ihrer Praxis mit dem Goldenen Weg berichten. (Vielen Dank auf diesem Weg!)
In den nächsten Wochen stellen wir auf der Startseite von oa.helmholtz.de im wöchentlichen Rhythmus ein neues Interview vor. Natürlich können alle anderen vorhandenen Interviews auch auf den Webseiten gelesen werden. 

Wenn Sie selbst bei einer OA-Zeitschrift aktiv sind oder andere Aktive kennen: Bitte melden Sie sich beim Arbeitskreis Open Access.

Treffen der Allianz Arbeitsebene

Ausgehend von einer Anregung auf dem letzten Treffen der Open Access-Verantwortlichen der Allianz der Wissenschaftsorganisationen im November 2006 hat das Open Access Koordinationsbüro der Helmholtz Gemeinschaft die Aufgabe übernommen, ein Arbeitstreffen der sog. „Arbeitsebene“ der Allianzmitglieder zu organisieren. Dieses hat mit großem Erfolg am 13. Februar 2007 in der Berliner Geschäftsstelle der Helmholtz Gemeinschaft stattgefunden.

Neben Vertretern der Allianzorganisationen waren Repräsentanten von DINI, des EU-Projekts „DRIVER“ sowie des DFG-Projekts „Informationsplattform Open Access“ anwesend, die in anregenden Kurzvorträgen die Projekte vorstellten. Das Treffen diente vor allem der Vernetzung und dem Informationsaustausch: beide Ziele wurden erfolgreich erreicht. Als Beispiel für eine fruchtbare Zusammenarbeit sei die gemeinsame Vorbereitung eines Workshops zum Thema „Rechtliche Aspekte von Open Access“ im Juni 2006 durch DINI und der Helmholtz Gemeinschaft erwähnt.

Alle Beteiligten waren sich einig, dass es wichtig ist, sich bald wieder zu treffen, so dass ein neuer Termin im September 2007 vereinbart wurde.

SCOAP3 (Sponsoring Consortium for Open Access Publishing in Particle Physics)

Das SCOAP3-Konsortium beginnt langsam Formen anzunehmen. Der aktuelle Stand wird in einem Executive Summary vom 9. März zusammengefasst, das am 14. März dem CERN Council vorgestellt wurde und ein positives Echo bei den anwesenden Foerderorganisationen fand [1].

"We propose to start implementing the SCOAP3 model during 2007. Leading funding agencies will pledge funds for the financial backing of the consortium in April and the tendering procedure will take place during the summer. The exact budget envelope should be known by autumn. A memorandum of understanding for the governance of SCOAP3 and the cost sharing will then be signed by the funding agencies, leading to the establishment of contracts with publishers in order to make Open Access publishing in High Energy Physics a reality at the beginning of 2008.

SCOAP3 will be an important milestone in the history of scientific publishing. It could be rapidly generalized to other disciplines and, in particular, to related fields such as Nuclear Physics or Astroparticle Physics."

Eine detailliertere Beschreibung des Modells wird Anfang April veroeffentlicht werden.

Annette Holtkamp (Annette.Holtkamp AT desy.de) vom DESY ist intensiv an diesem Prozess beteiligt und kann bei Interesse gerne direkt angesprochen werden.

[1] http://doc.cern.ch/archive/electronic/cern/preprints/open/open-2007-009.pdf

Open Access zu Daten

OECD - Recommendation of the Council Concerning Access to Research Data from Public Funding

Um den Zugang und die Nachnutzbarkeit von wissenschaftlichen Daten aus öffentlich geförderter Forschung zu verbessern, befragte die OECD 2005 die Wissenschaftsorganisation zu diesem Thema. Als Ergebnis wurde eine Empfehlung ausgesprochen, die für die Mitgliedsstaaten einen verbindlichen Charakter hat. Bemerkenswert an der Empfehlung ist nicht nur, dass es sie gibt, sondern auch, dass der Rat der OECD die Umsetzung der Empfehlung in den Mitgliedstaaten überwacht und die Empfehlung gegebenen Falls auch aktualisiert. Sie finden den vollständigen Text der Empfehlung unter [1].

Aus der Sicht einer Forschungseinrichtung bemerkt Dr. Wolfgang Fritsch von der Zentralbibliothek des Hahn-Meitner-Instituts in Berlin dazu, dass das Dokument leider den Aspekt der "guten wissenschaftlichen Praxis" nicht berücksichtigt, der ein Archivieren von Daten unumgänglich macht und möglichst auch ein öffentlich machen.

[1] http://webdomino1.oecd.org/horizontal/oecdacts.nsf/Display/3A5FB1397B5ADFB7C12572980053C9D3?OpenDocument

Europäischer Forschungsrat startet mit Statement zu Open Access

Die Auftaktveranstaltung für den Europäischen Forschungsrat (ERC) [1] fand im Rahmen einer Tagung am 28.02.2007 in Berlin statt. Dabei wurden zentrale Fragen diskutiert:
Wie kann der ERC zukünftig als treibende Kraft für innovative Forschung in Europa fungieren?
Welchen Beitrag kann er für die Entwicklung einer wissensbasierten Gesellschaft und Wirtschaft leisten?
Und wie kann er die europäische Forschung im internationalen Kontext erfolgreich positionieren?

Open Access spielt dabei aus Sicht des ERC eine wichtige Rolle, wie in seinem  Open Access Statement [2] deutlich wird:

" ... These considerations lead the ERC Scientific Council, like other research funding bodies, to stress the attractiveness of policies mandating the public availability of research results – in open access repositories – reasonably soon (ideally, 6 months, and in any case no later than 12 months) after publication. "

[1] http://erc.europa.eu/

[2] http://erc.europa.eu/pdf/open-access.pdf

 

Leseempfehlungen

Daten: 

 "The US government is considering a massive plan to store almost all scientific data generated by federal agencies in publicly accessible digital repositories. The aim is for the kind of data access and sharing currently enjoyed by genome researchers via GenBank, or astronomers via the National Virtual Observatory, but for the whole of US science. Scientists would then be able to access data from any federal agency and integrate it into their studies ...."

Agencies join forces to share data : US to create a universal database of all its research results. Nature 446, 354 (22 March 2007)

DOI: 10.1038/446354b

 

Kosten:

Ob man den gezogenen Schlüssen in allem folgt, sei dahingestellt, insgesamt aber eine lesenswerte Darstellung:

Institutional journal costs in an open access environment / William Walters. Journal of the American Society for Information Science and Technology 58 (1), 108-20 (2007)

DOI: 10.1002/asi.20441

 

Content:

Ohne gefüllte Repositories keine erfolgreiche Open Access-Umsetzung, auch aus solchen Beispielen kann man lernen:

Institutional Repositories: Evaluating the Reasons for Non-use of Cornell University's Installation of DSpace / Philip M. Davis and Matthew J. L. Connolly. D-Lib Magazine 13 (3/4), (Apr 2007)

DOI: 10.1045/march2007-davis

Stevan Harnard kommentiert:

"  (1) The purpose of Green OA self-archiving is to compete with journals? (No, the purpose is to supplement subscription access by depositing the author's final draft online, free for all users who cannot access the subscription-based version.)
    (2) IRs should instead store the "grey literature"? (No, OA's target content is peer-reviewed research.)
    (3) IRs are for preservation? (No, they are for research access-provision.)
    (4) Some disciplines may not benefit from Green OA self-archiving? (The only disciplines that would not benefit would be those that do not benefit from maximizing the usage and impact of their peer-reviewed journal article output.)
    The only thing Cornell needs to do if it wants its IR filled with Cornell's own research output is to mandate it."

(http://openaccess.eprints.org/index.php?/archives/219-Why-Cornells-Institutional-Repository-Is-Near-Empty.html)

Impressum

Der Helmholtz Open Access Newsletter wird vom Helmholtz Open Access Projekt (http://oa.helmholtz.de) herausgegeben.

Redaktion: Andreas Hübner

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Archiv

Die Ausgaben 1-11 des Newsletters finden Sie im Archiv (http://oa.helmholtz.de/index.php?id=111).

 

Copyright

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Letzte Änderung: 14.03.2012

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